Reizbudget bei Asperger
Das Reizbudget bei Asperger beschreibt die begrenzte Menge an Sinneseindrücken, die das Nervensystem an einem Tag oder in einer Situation verarbeiten kann, ohne in Überlastung zu geraten. Anders als bei vielen nicht-autistischen Menschen filtert das Gehirn Reize oft weniger automatisch. Geräusche, Licht, Gerüche, Bewegungen, soziale Eindrücke und auch innere Anforderungen wie Multitasking oder Zeitdruck kommen ungefiltert an und verbrauchen Energie. Dieses Budget ist nicht konstant, sondern schwankt je nach Tagesform, Schlaf, Stress, Gesundheit und vorheriger Belastung.
Ist das Reizbudget erschöpft, reagiert der Körper. Das kann sich als starke Erschöpfung, Schwindel, Kopfdruck, Reizschmerz, innere Unruhe, Gereiztheit oder auch als Rückzug und „Abschalten“ zeigen. Viele versuchen in diesem Moment weiterzumachen, was die Überlastung verstärkt und zu Meltdowns oder Shutdowns führen kann. Das Reizbudget funktioniert nicht wie Willenskraft, sondern wie eine biologische Grenze. Wird sie überschritten, hilft kein Zusammenreißen mehr.
Hilfreich ist es, das eigene Reizbudget bewusst einzuplanen. Reizintensive Aktivitäten wie Straßenverkehr, Einkaufen, soziale Termine oder helle, laute Umgebungen kosten viel Budget. Nach solchen Situationen braucht das Nervensystem gezielt reizarme Erholung, etwa Ruhe, Dunkelheit, Stille oder monotone, vertraute Tätigkeiten. Werden mehrere belastende Dinge hintereinander gelegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Überlastung entsteht, selbst wenn jede einzelne Aktivität für sich „machbar“ wäre.
Ein wichtiger Teil im Umgang mit dem Reizbudget ist Akzeptanz. Es bedeutet anzuerkennen, dass die eigene Belastungsgrenze real ist und sich von Tag zu Tag unterscheiden kann. Strategien wie Kopfhörer, Sonnenbrille, feste Routinen, ruhige Wege oder klare Pausen sind keine Schwäche, sondern notwendige Hilfsmittel, um das Budget zu schützen. Wer früh reagiert und Reize reduziert, verbraucht weniger Energie, als wenn erst bei massiver Überforderung eingegriffen wird.
Langfristig kann ein bewusster Umgang mit dem Reizbudget dazu führen, dass der Alltag stabiler wird. Es geht nicht darum, immer mehr auszuhalten, sondern darum, die vorhandene Energie so einzusetzen, dass sie für die wichtigen Dinge reicht. Das Reizbudget ernst zu nehmen bedeutet, die eigenen Grenzen zu respektieren und dem Nervensystem die Bedingungen zu geben, unter denen es sich regulieren kann.
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