Asperger - dem Nervensystem die Bedingungen geben, unter denen es sich regulieren kann
Warum das Nervensystem besondere Bedingungen braucht
Bei Asperger ist das Nervensystem oft dauerhaft wacher und weniger gut gefiltert als bei nicht-autistischen Menschen. Es nimmt Reize intensiver wahr und verarbeitet viele Informationen gleichzeitig. Damit es sich regulieren kann, braucht es äußere und innere Bedingungen, die Sicherheit, Vorhersagbarkeit und Reizreduktion ermöglichen. Ohne diese Bedingungen bleibt der Körper im Stressmodus, selbst wenn objektiv keine Gefahr besteht.
Reizreduktion als Grundlage der Regulation
Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Begrenzung von Sinneseindrücken. Weniger Lärm, gedämpftes Licht, vertraute Gerüche und überschaubare visuelle Umgebungen entlasten das Gehirn sofort. Hilfsmittel wie Kopfhörer, Ohrstöpsel oder Sonnenbrillen sind keine Komfortobjekte, sondern Werkzeuge zur Regulation. Je früher Reize reduziert werden, desto weniger muss das Nervensystem gegen Überlastung ankämpfen.
Vorhersagbarkeit und Struktur
Das Nervensystem reguliert sich leichter, wenn es weiß, was kommt. Feste Abläufe, bekannte Wege und klare Zeitstrukturen senken den inneren Alarm. Überraschungen, spontane Änderungen oder unklare Erwartungen verbrauchen viel Energie. Planung ist deshalb nicht Kontrollzwang, sondern eine Form von Selbstschutz und Stabilisierung.
Tempo und Pausen
Ein ruhiges, selbst bestimmtes Tempo hilft dem Nervensystem, nicht in Dauerstress zu geraten. Langsamer gehen, Aufgaben nacheinander erledigen und bewusst Pausen einbauen verhindert, dass Reize sich aufstauen. Pausen müssen reizarm sein, sonst sind sie keine echte Erholung. Stille, Dunkelheit oder monotone, vertraute Tätigkeiten geben dem System die Möglichkeit, sich wieder einzupendeln.
Körperliche Sicherheit und Erdung
Regulation geschieht nicht nur im Kopf, sondern im Körper. Feste Berührungen, ein stabiler Stand, ruhige Atmung und spürbarer Bodenkontakt vermitteln Sicherheit. Wenn der Körper sich sicher fühlt, kann auch das Nervensystem herunterfahren. Gerade bei Schwindel oder Überforderung ist es wichtig, den Körper bewusst wahrzunehmen und zu stabilisieren.
Emotionale Akzeptanz statt Kampf
Ein entscheidender Faktor ist die innere Haltung. Wenn Überlastung bekämpft oder bewertet wird, bleibt das Nervensystem angespannt. Akzeptanz bedeutet nicht Aufgeben, sondern anerkennen, dass das System gerade Schutz braucht. Freundlicher Umgang mit den eigenen Grenzen reduziert zusätzlichen Stress und unterstützt die Selbstregulation.
Langfristige Stabilisierung
Über längere Zeit helfen regelmäßige Routinen, ausreichend Schlaf, Erholungszeiten und gegebenenfalls therapeutische Unterstützung, um das Nervensystem insgesamt widerstandsfähiger zu machen. Ziel ist nicht, immer mehr auszuhalten, sondern dem Nervensystem dauerhaft Bedingungen zu bieten, unter denen es sich sicher fühlt und regulieren kann.
Kommentare